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Kanshō Writing Profile und Journaling Arbeitsstand 2026-08-18 Jinkendo Fachkapitel / Writing Profile / Journaling fachliche_zielarchitektur.md
# Kanshō  Writing Profile und Journaling

Dieses Dokument ist das kanonische Home für persönlichen Schreibstil, Writing Profile und die fachliche Generierung von Tagebucheinträgen.

10.5 Writing Profile

Das Writing Profile dient dazu, dass erzeugte Texte langfristig nach der Person selbst klingen.

Es soll mehr umfassen als ein einfaches Style Prompt.

Mögliche Bestandteile:

  • Satzlängen,
  • Satzrhythmus,
  • Wortwahl,
  • typische Formulierungen,
  • Detailgrad,
  • Aufbau von Erzählungen,
  • Verhältnis zwischen Ereignisbeschreibung und Reflexion,
  • Grad emotionaler Direktheit,
  • bevorzugte Übergänge,
  • Humor,
  • typische Perspektive,
  • zeitliche Erzählweise.

Zusätzlich sollen geeignete eigene Texte als Stilreferenzen genutzt werden.


15. Persönlicher Sprach- und Schreibstil

Ein wesentliches Produktziel lautet:

Von Kanshō erzeugte Texte sollen auch nach Jahren noch vertraut wirken und sich wie eigene Texte lesen.

Die App soll deshalb nicht die typischen Merkmale generischer KI-Texte reproduzieren.

Kanshō soll sich an Ausdruck, Struktur und Erzählweise der Person angleichen.

Dazu sollen nicht nur formale Stilregeln genutzt werden, sondern vor allem:

  • eigene frühere Texte,
  • thematisch vergleichbare Tagebucheinträge,
  • persönliche Formulierungen,
  • bestätigte Stilpräferenzen,
  • langfristige stilistische Entwicklung.

Der persönliche Stil darf sich über Jahre verändern. Deshalb sollte das Writing Profile ebenfalls versionierbar beziehungsweise zeitabhängig sein.


16. Zweistufige Generierung von Tagebucheinträgen

Für generierte Tagebucheinträge wird ein zweistufiges Modell bevorzugt.

Stufe 1 Bedeutung und Inhalt rekonstruieren

Zuerst wird bestimmt:

  • Was ist tatsächlich passiert?
  • Was wurde ausdrücklich gesagt?
  • Was wurde empfunden?
  • Welche Erkenntnisse wurden im Dialog entwickelt?
  • Welche Aussagen sind Interpretation oder Hypothese?
  • Welche Aspekte sollen überhaupt Teil des Tagebucheintrags sein?

Diese Stufe dient insbesondere der inhaltlichen Wahrhaftigkeit.

Stufe 2 Persönliche Narration

Erst danach wird aus den bestätigten Inhalten ein persönlicher Text erzeugt.

Dabei werden verwendet:

  • Writing Profile,
  • passende eigene Texte,
  • Kontext des Erlebnisses,
  • gewünschter Detailgrad,
  • zeitliche Perspektive.

Damit werden Inhaltstreue und sprachliche Gestaltung bewusst getrennt.

Additiv 2026-08-26 (Narration, nicht Wortlautkopie): Provenienztreue bedeutet Faktentreue, nicht wörtliche Wiedergabe. Das lokale VerifiedArtifact ist autoritative Inhaltsquelle, das Writing Profile autoritative Stilquelle. Der aktuelle Tagesdialog ist Inhalt, nicht automatisch Schreibstil. Offensichtliche Rechtschreib- und Grammatikfehler sollen im Journalentwurf korrigiert werden; semantische Unsicherheit, Plan versus Vollzug und einmalige Details bleiben. Stufe 2 darf keine Dialogabschrift und keine Aneinanderreihung der Quellenzeilen liefern.

Additiv 2026-08-26 (redaktionelles Ziel): Die Journalgenerierung erzeugt eine inhaltstreue, redaktionell verbesserte Tagebuchfassung in der persönlichen Schreibstimme. Hohe Wortlautähnlichkeit ist kein Fehler, wenn der Ausgangstext bereits gut ist. Ein Fehler liegt vor, wenn kein erkennbarer redaktioneller Mehrwert entsteht (übernommene Fehler, holprige Übergänge, reine Kopie). Kanshō erzwingt keine künstliche Originalität.

Faktentreue und Wortlauttreue sind getrennt. Unsicherheit, Verneinung, Korrekturen sowie Plan versus Vollzug müssen semantisch erhalten bleiben, nicht wortidentisch. Sprachlich nötige Übergänge sind erlaubt, solange sie keine neue Ursache, Bewertung oder Handlung behaupten. Gute Originalformulierungen und direkte Rede dürfen bleiben.

Zwei journal-spezifische Editorial Modes, lokal und ohne zweiten Modellaufruf:

  • prose_edit: bereits erzählerischer Rohtext wird behutsam überarbeitet.
  • notes_to_journal: Stichpunkte und Fragmente werden zu zusammenhängender Journalprosa. Mischfall: prose_edit, wenn mindestens die Hälfte der Quellenblöcke Satzzeichen .?! enthält, sonst notes_to_journal.

Das bestätigte Writing Profile ist die primäre Stilautorität (Core, Journal-Facet, aktive Traits). Historische finale, vom Nutzer akzeptierte oder bearbeitete Tagebucheinträge sind reine Stilreferenz; importierte Texte danach; sonst neutraler Journalstil. Der aktuelle Tagesdialog ist keine Stilautorität. Historische Beispiele dürfen keine aktuellen Tatsachen liefern.

Kosten: im Normalfall genau ein externer journal_generate-Aufruf. Kein Rekonstruktionsmodell, keine Modusklassifikation per Modell, kein Qualitätsretry wegen Textähnlichkeit. Privacy-Retry nur bei request-spezifischem Identitätsverstoß. Textähnlichkeit ist Diagnose, keine Annahme- oder Verwerfungsregel.

Automatisierte Tests beweisen Datenfluss und Promptvertrag, nicht die Prosaqualität eines echten Modells. Vergleichbare Live-Evaluation: backend/journal_eval.py (manuell, nicht im Produktionslauf). Live-Qualität bleibt unbestätigt, bis ein kontrollierter Modellvergleich ausgeführt wurde.

Allgemeine Infrastruktur (Provenienz, Maskierung, Budget, bestätigte Profilstände, Stilreferenz-Auswahl, Traces) bleibt intent-neutral. Journalregeln (Editorial Modes, Journal-Facet, Ich-Form, Titel, Absatzform) liegen nur im Journal-Adapter.


Journal Entry als häufiger, aber nicht zwingender Abschluss einer Tagesreflexion

Status: entschieden

Bei einer substanziellen Tagesreflexion wird standardmäßig im Hintergrund ein persönlicher Journal-Entwurf vorbereitet. Am natürlichen Abschluss wird dezent angeboten, ihn anzusehen, zu bearbeiten oder zu übernehmen.

Dabei gilt:

  • Häufig wird aus einer Tagesreflexion ein Journal Entry entstehen.
  • Ein kurzer Check-in, eine reine Achtsamkeitssequenz oder ein Dialog ohne ausreichenden erzählerischen Inhalt erzwingt keinen Entwurf.
  • Wenn der Nutzer ausdrücklich nur reflektieren oder keinen Tagebucheintrag erzeugen möchte, entsteht keiner.
  • Automatische Vorbereitung bedeutet noch keine ungeprüfte endgültige Ablage.
  • Für den Entwurf gilt weiterhin die zweistufige Trennung zwischen inhaltlicher Rekonstruktion und persönlicher Narration.

Der Journal Entry ist damit ein häufiger und hochwertiger Ausdruck der Tagesreflexion, aber weder ihr notwendiger Erfolgsnachweis noch ihr einzig möglicher persistierter Inhalt.


Querverweise

Die fachliche Rolle des Journal Entry als Dialog-Output wird in reflection_outputs.md geführt. Die Nutzungssituationen für Tagebuch und Tagesreflexion liegen in usage_situations.md.