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Kanshō Memory und Context Arbeitsstand 2026-08-18 Jinkendo Fachkapitel / Memory Architecture / Context fachliche_zielarchitektur.md
# Kanshō  Memory und Context

Dieses Dokument ist das kanonische Home für Working Context, Thread Memory, Episodic Memory, Knowledge-Graph-Bezug und die Rolle von mindnet im kurzfristigen Dialog.

10. Gedächtnismodell

Ein zentrales Ergebnis der bisherigen Konzeption ist die Erkenntnis, dass ein einziges LLM-Kontextfenster nicht ausreicht.

Kanshō benötigt mehrere Gedächtnisebenen.

10.1 Working Context

Enthält beispielsweise:

  • aktuelle Nachrichten,
  • aktuelle Frage,
  • unmittelbar vorausgehende Aussagen,
  • temporäre Gesprächsinformationen.

Lebensdauer:

  • Minuten bis Stunden,
  • primär für den aktuellen Dialog.

10.2 Thread Memory

Enthält:

  • Zusammenfassungen einzelner Dialogfäden,
  • offene Fragen,
  • Zwischenstände,
  • noch nicht abgeschlossene Reflexionen,
  • relevante Aussagen aus früheren Sitzungen.

Lebensdauer:

  • Tage,
  • Wochen,
  • Monate,
  • ggf. länger.

10.3 Episodic Memory

Enthält bedeutsame Ereignisse oder Erfahrungen wie:

  • Urlaubserlebnisse,
  • Konflikte,
  • Entscheidungen,
  • besondere Erfahrungen,
  • persönliche Wendepunkte,
  • wichtige Erkenntnisse.

Diese Informationen sind langfristig relevant und sollen in geeigneter Form in Obsidian beziehungsweise mindnet überführt werden.


10.6 Knowledge Graph / mindnet

mindnet übernimmt die langfristige Vernetzung von Informationen.

Dazu gehören:

  • Erfahrungen,
  • Erkenntnisse,
  • Beziehungen,
  • Referenzen,
  • Werte,
  • Entscheidungen,
  • wiederkehrende Themen,
  • offene Zusammenhänge.

Kanshō soll dieses Wissen gezielt abrufen und neue Erkenntnisse wieder zurückführen.


11. Rolle von mindnet im kurzfristigen Dialog

Noch nicht abschließend entschieden ist, ob mindnet als kurzfristiger Dialogspeicher geeignet ist.

Der derzeitige konzeptionelle Stand lautet:

mindnet sollte wahrscheinlich nicht der primäre Working-Memory-Speicher laufender Gespräche sein.

Gründe dafür sind insbesondere die unterschiedlichen Anforderungen:

Ein Dialogspeicher benötigt unter anderem:

  • exakte Reihenfolge,
  • hohe Änderungsfrequenz,
  • Thread-Zustände,
  • lokale/offline Synchronisation,
  • schnelle Wiederaufnahme,
  • Branching,
  • Editierbarkeit,
  • Zustandsmanagement.

mindnet ist dagegen besonders geeignet für:

  • langfristiges Wissen,
  • semantische Retrieval-Prozesse,
  • Beziehungen,
  • Episoden,
  • Erkenntnisse,
  • autobiografischen Kontext.

Die derzeit bevorzugte Verantwortungsverteilung lautet deshalb:

Kanshō besitzt den Dialog.
mindnet besitzt das langfristige Gedächtnis.
Obsidian bildet das menschenlesbare autobiografische Archiv.

Diese Entscheidung ist noch technisch zu validieren.


Kontinuitätsarbeit ohne zwingendes Output-Artefakt

Status: entschieden

Der Erfolg einer Reflexion hängt nicht davon ab, dass daraus zwingend ein Journal Entry, eine neue Erkenntnis, ein Knowledge Delta oder eine Handlungsabsicht entsteht.

Davon unabhängig benötigt Kanshō interne Kontinuitätsarbeit, damit lange Dialoge, mehrere Threads und spätere Wiederaufnahmen ohne vermeidbaren Bedeutungsverlust möglich bleiben. Dazu können insbesondere gehören:

  • Erhalt des Originaldialogs beziehungsweise einer verlässlichen Originalrepräsentation,
  • Working-Context- und Thread-Memory-Summaries,
  • offene Fragen und Zwischenstände,
  • fachlich relevante Erkenntnisse,
  • vorläufig erkannte Nebenfäden oder Thread-Kandidaten,
  • Zeitbezug, Provenance, Confidence beziehungsweise Unsicherheit.

Nicht jeder erkannte Nebenfaden muss zu einem sichtbaren oder dauerhaft eigenständigen Thread werden. Nicht jede Summary ist eine bestätigte Erkenntnis, und nicht jede Kontinuitätsstruktur ist ein sichtbarer Output.

Da Summaries und weitere Verdichtungen selektiv sind, gelten für ihre langfristige Nutzung verbindlich die Regeln aus context_fidelity_and_regrounding.md: Die Originalquelle bleibt maßgeblich; bei ausreichendem Drift-Risiko, Abweichungen, Widersprüchen oder möglicher Fehlinterpretation muss Kanshō ein Re-Grounding aus den relevanten Ursprungsquellen auslösen können. Dies kann automatisch beziehungsweise systemseitig oder ausdrücklich durch den Nutzer angestoßen werden.

Kontinuitätsarbeit ist nicht an das Ende einer Session gebunden. Sie darf und muss bei fachlichem Bedarf bereits während eines langen Dialogs erfolgen, insbesondere wenn der aktive Kontext sonst relevante Aussagen, Nebenfäden oder Zwischenstände verlieren würde.

Das Session-Ende ist ein zusätzlicher fachlicher Kontinuitäts-Checkpoint. Dabei wird geprüft:

  • Ist die Originalquelle verlässlich erhalten?
  • Müssen Working Context, Summary oder Thread Memory aktualisiert werden?
  • Sind tatsächlich relevante Erkenntnisse, offene Fragen oder mögliche Nebenfäden entstanden?
  • Haben sich Thread-Zustand, Wiedervorlage oder andere Kontinuitätsinformationen tatsächlich verändert?
  • Besteht ein Drift- beziehungsweise Re-Grounding-Bedarf?

Nur tatsächlich notwendige beziehungsweise entstandene Änderungen werden fortgeschrieben. Der Checkpoint erzeugt weder künstlich eine Erkenntnis noch einen Nebenfaden und verlangt kein sichtbares Output-Artefakt.

Für die Produktqualität besitzt die verlässliche Langzeitkommunikation höhere Priorität als die maximale Extraktion möglichst vieler Memories oder Wissenselemente. Verdichtungen sollen Kontinuität ermöglichen, dürfen Erkenntnisse aber nicht schrittweise verwässern, vorläufige Deutungen stabilisieren oder fehlende Zusammenhänge halluzinieren. Die verbindlichen Gegenmaßnahmen werden in context_fidelity_and_regrounding.md geführt.

Die konkrete technische Granularität, Speicherform und Aktualisierungslogik dieser Strukturen bleibt später auszuarbeiten.


Default-Quellbewahrung und skalierbare Informationsorganisation

Status: fachliche Baseline entschieden; konkrete Organisations- und Speicherlogik offen

Root Cause

Kanshō ist auf langfristige Kommunikation, spätere Rekonstruktion und Re-Grounding ausgelegt. Dafür müssen auch kurze, zunächst unscheinbare oder erst später bedeutsame Äußerungen als zeitgebundene Quellen verfügbar bleiben. Gleichzeitig kann über Jahre eine sehr große Menge an Dialog- und Textmaterial entstehen.

Risiko

Eine relevance-, alters- oder mengengetriebene automatische Löschung könnte Quellen vernichten, deren Bedeutung erst später sichtbar wird, und Re-Grounding sowie Point-in-Time-Rekonstruktion beschädigen. Umgekehrt würde eine undifferenzierte Behandlung jedes Textes als sichtbares Objekt, aktives Memory oder eigener mindnet-Knoten das System fachlich und in der Nutzung zumüllen.

Fachliche Konsequenz

Quellbewahrung und Informationsorganisation sind getrennte Verantwortungen:

Alles als Quelle bewahren bedeutet nicht, alles sichtbar, aktiv oder semantisch gleichrangig zu halten.

Abgeleitete Entscheidungen

  • Vom Nutzer bewusst in Kanshō eingebrachte Texte und der inhaltliche Dialogverlauf werden standardmäßig unmittelbar als zeitgebundene Originalquelle beziehungsweise verlässliche Originalrepräsentation in der internen vertrauenswürdigen Datenhaltung bewahrt.
  • Dies gilt auch für kurze spontane Gedanken. Ihre spätere Einordnung, Verknüpfung oder Verdichtung ist von der unmittelbaren Quellbewahrung getrennt.
  • Originalquellen werden nicht allein wegen Alter, Umfang, derzeit geringer Relevanz, Konsolidierung oder vorhandener Summaries automatisch gelöscht oder überschrieben.
  • Eine Löschung erfolgt nur auf konkrete Nutzeraufforderung beziehungsweise durch eine dafür berechtigte administrative Handlung. Administrative Löschung ist kein automatisches Mittel zur Relevanz- oder Mengenbereinigung.
  • Summaries, Thread Memories, Reflection Memories, Knowledge Deltas, Indizes und andere abgeleitete Strukturen dürfen selektiv erzeugt, aktualisiert, konsolidiert, zurückgestuft oder aus dem aktiven Kontext entfernt werden. Sie ersetzen und löschen dadurch nicht ihre Quellen.
  • Nicht jeder gespeicherte Text wird zu einem sichtbaren Eintrag, Thread, Reflection Space, Journal Entry, Reflection Memory oder mindnet-Knoten.
  • Nur der für die aktuelle Situation relevante Ausschnitt wird in den aktiven Modellkontext geladen. Langfristig gespeichert bedeutet weder dauerhaft aktiv noch dauerhaft sichtbar.
  • Wiederfinden und Re-Grounding müssen bei Bedarf bis auf die bewahrte Quellenebene reichen können.

Diese Baseline bezieht sich auf die interne Kanshō-Quellhaltung. Sie erlaubt weder eine unminimierte Weitergabe an externe Modelle noch externe Provider-Speicherung; hierfür gelten weiterhin die Regeln aus guardrails.md.

Später auszuarbeitende Fragen

Die dauerhafte Organisation sehr großer Textmengen wurde bisher noch nicht im erforderlichen Umfang konzipiert. Später zu klären sind insbesondere:

  • fachliche Lebenszyklen zwischen aktiv, ruhend, archiviert und bei Bedarf reaktiviert,
  • konsolidierte Sichten und Retrieval über viele Jahre, ohne eine unüberschaubare Zahl sichtbarer Einzelobjekte zu erzeugen,
  • Granularität, Versionierung, Indexierung und technische Speicherstufen der Quellen,
  • Umgang mit echten Duplikaten, Varianten und Korrekturen, ohne zeitliche Perspektiven oder Provenance zu verlieren,
  • Auswirkungen einer ausdrücklichen Löschung auf Ableitungen, Indizes, Backlinks, Exporte sowie bereits nach Obsidian oder mindnet überführte Inhalte,
  • Rollen, Berechtigungen, Nachvollziehbarkeit und technische Ausführung administrativer Löschungen,
  • Kapazitäts-, Kosten-, Offline- und Synchronisationsgrenzen über sehr lange Nutzungszeiträume.

Diese offenen Punkte dürfen die entschiedene Default-Quellbewahrung nicht stillschweigend in eine automatische inhaltliche Lösch- oder Vergessenslogik umdeuten.