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|---|---|---|---|---|---|
| Kanshō – Typische Nutzungssituationen | 0.1 | In Bearbeitung | 2026-08-18 | Fachkapitel / Users and Context / Usage Situations | fachliche_zielarchitektur.md |
Kanshō – Typische Nutzungssituationen
1. Zweck dieses Dokuments
Dieses Dokument konkretisiert die typischen Nutzungssituationen von Kanshō.
Es beschreibt nicht primär Lebensbereiche wie Beruf, Familie, Urlaub oder persönliche Entwicklung. Diese bilden Kontext beziehungsweise Reflection Spaces.
Die Nutzungssituation beschreibt vielmehr:
Aus welchem unmittelbaren Anlass kommt der Nutzer zu Kanshō und was möchte er in diesem Moment von der Anwendung?
Die Nutzungssituationen bilden damit die fachliche Grundlage für die spätere Ausgestaltung von:
- Dialogverhalten,
- Reflection Intents,
- Einstiegslogik,
- Context Builder,
- Memory-Nutzung,
- Journaling,
- Achtsamkeit und Meditation,
- Trigger aus anderen Jinkendo-Anwendungen,
- mobile User Experience.
Dieses Kapitel wird szenariobasiert weiterentwickelt.
2. Grundprinzipien
2.1 Nutzungssituation ist nicht gleich Lebensbereich
Beispiele für Lebensbereiche beziehungsweise Kontexte sind:
- Urlaub,
- Beruf,
- Familie,
- Partnerschaft,
- persönliche Entwicklung,
- Kreativität.
Eine Nutzungssituation beschreibt dagegen, was der Nutzer gerade tun möchte.
Beispiel:
Reflection Space: Lošinj 2026
kann gleichzeitig folgende Nutzungssituationen enthalten:
- einen Urlaubstag festhalten,
- eine Tagesreflexion durchführen,
- einen spontanen Gedanken erfassen,
- einen früheren Reflexionsfaden fortsetzen,
- eine tiefergehende persönliche Frage untersuchen,
- später auf die Zeit zurückblicken.
Damit bleiben Kontext und Intent fachlich getrennt.
2.2 Keine harte Moduswahl als Voraussetzung
Der Nutzer soll grundsätzlich nicht vor jeder Interaktion zuerst einen Modus wie
Tagebuch | Reflexion | Entscheidung | Kreativität | Meditation
auswählen müssen.
Kanshō soll den wahrscheinlichsten Reflection Intent aus Kontext und Einstieg erkennen und sein Verhalten daran anpassen.
Der Intent kann:
- explizit gewählt oder genannt werden,
- von Kanshō erkannt werden,
- sich während eines Dialogs verändern,
- parallel zu weiteren Threads entstehen.
Ein Gespräch bleibt dabei möglichst natürlich und wird nicht allein aufgrund eines Intent-Wechsels künstlich in mehrere Chats zerlegt.
2.3 Externe Reflexionsanlässe
Nicht jede Interaktion muss ausschließlich spontan durch den Nutzer gestartet werden.
Andere Jinkendo-Komponenten dürfen perspektivisch einen Reflexionsanlass auslösen oder anbieten.
Ein bereits identifiziertes Beispiel ist Kairo:
Kairo plant den Anlass. Kanshō führt die Reflexion.
Beispiele:
- „Zeit mit dir selbst“
- Wochenreflexion
- persönliches Reflexionsritual
- geplante Reflexion innerhalb eines Entwicklungspfads
Die genaue technische Trigger-Architektur wird später spezifiziert.
3. Vorläufig vollständige Nutzungstypologie
Die bisher identifizierte Typologie umfasst elf grundlegende Nutzungssituationen.
Sie gilt als vorläufig vollständig, bleibt aber erweiterbar, wenn spätere Szenarien einen tatsächlich neuen Nutzungstyp erkennen lassen.
3.1 Erleben festhalten
Ein Ereignis, einen Tag oder eine konkrete Erfahrung autobiografisch erfassen.
Beispiele:
- Urlaubstag erzählen,
- besonderes Erlebnis dokumentieren,
- Begegnung oder Situation festhalten.
Kernziel:
Das Erlebte authentisch festhalten, ohne dass Kanshō die Erzählung unnötig in eine tiefe Reflexion umwandelt.
3.2 Tagesreflexion
Den vergangenen Tag strukturiert, aber dialogisch reflektieren.
Mögliche Inhalte:
- Was ist passiert?
- Was war bedeutsam?
- Was hat beschäftigt?
- Was war angenehm oder schwierig?
- Welche Gedanken oder Fragen bleiben?
Die Tagesreflexion kann anschließend zu einem generierten persönlichen Tagebucheintrag führen.
Fachliche Ausprägung der Tagesreflexion
Die Tagesreflexion soll nicht auf einem starren oder regelmäßig wiederkehrenden Fragenkatalog basieren.
Der bevorzugte Ansatz ist eine dynamische, kontextbezogene Reflexionsführung.
Kanshō soll dabei insbesondere berücksichtigen:
- bisherige Dialoge und offene Threads,
- aktuelle Reflection Spaces,
- Ereignisse oder Erkenntnisse aus dem laufenden Tag,
- länger laufende persönliche Themen,
- den individuellen Denk- und Antwortstil des Nutzers,
- bereits bekannte Präferenzen für Tiefe, Direktheit und Frageform,
- frühere Fragen, damit unnötige Wiederholungen vermieden werden.
Grundprinzip: ein guter Impuls statt vieler Fragen
Typischerweise soll ein guter, persönlich relevanter Impuls ausreichen, um die Reflexion zu öffnen.
Kanshō soll nicht versuchen, durch eine feste Sequenz von Standardfragen Vollständigkeit zu erzeugen.
Stattdessen gilt:
Tiefe vor Vollständigkeit. Relevanz vor Routine.
Ein einzelner guter Impuls kann beispielsweise anknüpfen an:
- etwas Unabgeschlossenes vom Vortag,
- einen Widerspruch zwischen zwei früheren Aussagen,
- eine Veränderung im Befinden,
- einen überraschenden Moment,
- ein wiederkehrendes persönliches Thema,
- einen Kontrast zwischen Erwartung und tatsächlichem Erleben.
Vermeidung flacher oder repetitiver Fragen
Kanshō soll insbesondere vermeiden:
- immer wieder dieselben Fragen zu stellen,
- generische Journaling-Prompts ohne persönlichen Bezug,
- routinemäßige Fragen wie „Wofür bist du dankbar?“, wenn sie nicht zum aktuellen Kontext passen,
- mechanische Frageketten,
- Fragen, deren Antwort aus dem bisherigen Kontext bereits bekannt ist,
- künstlich tief wirkende Fragen ohne erkennbare Verbindung zum aktuellen Erleben.
Wiederholung oder Oberflächlichkeit ist nicht nur ein Qualitätsproblem, sondern kann die Motivation zur Reflexion aktiv reduzieren.
Anpassung an Denk- und Antwortstil
Kanshō soll sich nicht nur sprachlich, sondern auch in seiner Art zu fragen und zu reflektieren an den Nutzer anpassen.
Dazu gehören beispielsweise:
- gewünschter Grad an Direktheit,
- bevorzugte Tiefe,
- eher analytische oder eher offene Impulse,
- Länge der Fragen,
- Umgang mit Ambivalenz,
- Geschwindigkeit, mit der Kanshō von Beschreibung zu Interpretation wechselt,
- bevorzugter Rhythmus zwischen Frage, Spiegelung und freiem Raum.
Diese Anpassung soll lernend und kontextbezogen erfolgen.
Priorisierung von aktuellem und früherem Kontext
Für die Tagesreflexion gilt grundsätzlich:
Der aktuelle Tag beziehungsweise das aktuell Erlebte hat Vorrang.
Ältere Erlebnisse, frühere Threads oder offene Fragen sollen nicht allein deshalb in den Vordergrund gestellt werden, weil sie noch offen sind.
Ein früherer Kontext darf jedoch aktiv einbezogen werden, wenn mindestens einer der folgenden Fälle vorliegt:
-
Explizite Nutzerintention
Der Nutzer möchte bewusst an einem früheren Erlebnis, Dialog oder offenen Faden weiterarbeiten. -
Aktiver Gegenwartsbezug
Ein aktuelles Erlebnis, Gedanke oder Gefühl steht erkennbar in Beziehung zu einem früheren Thema. -
Wiederkehrendes Muster mit aktuellem Signal
Das heutige Erleben aktiviert oder bestätigt möglicherweise ein bereits bekanntes Muster oder eine frühere offene Frage.
In diesen Fällen darf Kanshō den früheren Kontext gezielt in den aktuellen Reflexionsimpuls einbauen.
Nicht erwünscht ist dagegen:
- ein zufälliges Hervorholen alter offener Themen ohne aktuellen Bezug,
- eine Priorisierung allein nach „am längsten offen“,
- eine Unterbrechung des aktuellen Erlebens zugunsten historischer Threads,
- eine künstliche Verbindung zwischen heute und früher, wenn die Beziehung nur schwach oder spekulativ ist.
Explizite Fokuswahl und Themenkatalog
Neben der automatischen Priorisierung durch Kanshō soll der Nutzer den Fokus jederzeit bewusst verändern können.
Das bevorzugte Interaktionsmodell lautet:
- Kanshō bietet einen intelligent priorisierten Hauptimpuls an.
- Daneben werden nur wenige diskrete Alternativen gezeigt.
- Zusätzlich kann der Nutzer bei Bedarf einen erweiterten Katalog aktuell relevanter Reflexionsgegenstände öffnen.
- Eine bewusste Auswahl durch den Nutzer verschiebt den Fokus unmittelbar.
Der Katalog ist ausdrücklich kein statischer Fragenkatalog.
Er enthält vielmehr kontextbezogene Kandidaten wie beispielsweise:
- heutige Erlebnisse,
- auffällige Momente,
- offene Gedanken,
- relevante frühere Threads mit aktuellem Bezug,
- vom Nutzer markierte Themen,
- aktuelle Reflection Spaces,
- gegebenenfalls bewusst geplante Reflexionsgegenstände.
Damit bleibt die normale Oberfläche ruhig und fokussiert, ohne den Nutzer an die Priorisierung der KI zu binden.
Explizite Wiedervorlage von Themen
Der Nutzer soll während oder am Ende einer Reflexion ausdrücklich festlegen können, dass ein Thema später wieder aufgenommen werden soll.
Beispiele:
- „Lass uns morgen daran weiterarbeiten.“
- „Erinnere mich später noch einmal an diesen Gedanken.“
- „Beim nächsten Abend-Check-in möchte ich darauf zurückkommen.“
- „Dieses Thema möchte ich nächste Woche wieder aufnehmen.“
Kanshō soll daraus keinen neuen fachlichen Reflection Space erzwingen, sondern den bestehenden Thread beziehungsweise Reflexionsgegenstand mit einer Wiedervorlageabsicht versehen.
Zum gewünschten Zeitpunkt beziehungsweise bei der nächsten passenden Nutzung soll Kanshō das Thema automatisch wieder als relevanten Fortsetzungsimpuls anbieten.
Priorität einer expliziten Wiedervorlage
Eine vom Nutzer gesetzte Wiedervorlage besitzt eine höhere Priorität als rein algorithmisch erkannte offene Threads.
Sie steht jedoch weiterhin unter der jeweils aktuellen Nutzerintention.
Wenn der Nutzer beispielsweise am Folgetag ausdrücklich mit einem anderen Thema beginnt, soll Kanshō die Wiedervorlage nicht aufdrängen, sondern diskret als passende Alternative verfügbar halten.
Zeitliche Ausprägung
Die Wiedervorlage kann unterschiedlich präzise sein:
- konkret: „morgen“, „heute Abend“, „nächsten Freitag“
- situativ: „beim nächsten Tagesrückblick“
- unscharf: „später“, „demnächst“, „wenn das Thema wieder relevant wird“
Bei unscharfen Angaben soll Kanshō einen sinnvollen Wiedervorlagekontext ableiten beziehungsweise – falls für die gewünschte Verlässlichkeit notwendig – nachfragen.
Verhältnis zu Kairo
Eine Wiedervorlage innerhalb von Kanshō ist fachlich von einer Aufgabe, einem Termin oder einem Ritual in Kairo zu unterscheiden.
- Kanshō: „Dieses Reflexionsthema später wieder aufnehmen.“
- Kairo: „Eine geplante Aktivität, ein Ritual oder eine konkrete Aufgabe terminieren und steuern.“
Erst wenn aus der Reflexion eine echte Handlungs- oder Planungsanforderung entsteht, soll eine Übergabe an Kairo angeboten werden.
Vorrang der Nutzerwahl
Eine explizite Fokuswahl durch den Nutzer hat jederzeit Vorrang vor der automatischen Priorisierung.
Kanshō darf nach der Auswahl weiterhin Zusammenhänge zu anderen Themen erkennen und bei Bedarf anbieten, soll den gewählten Fokus aber nicht ohne guten Grund wieder verlassen.
Prioritätsregel
Die fachliche Reihenfolge lautet damit:
- Explizite aktuelle Nutzerintention
- Aktueller Tages- und Erlebniskontext
- Frühere Themen mit erkennbarem aktuellen Bezug
- Sonstige offene historische Threads
Punkt 4 wird nur dann aktiv angeboten, wenn dies zur aktuellen Nutzungssituation passt oder der Nutzer ausdrücklich nach offenen Themen sucht.
Dialogverhalten nach dem ersten Impuls
Nach dem ersten Impuls soll Kanshō nicht automatisch die nächste vorbereitete Frage stellen.
Stattdessen reagiert es auf die tatsächliche Antwort und entscheidet situativ, ob der nächste sinnvolle Schritt eher ist:
- nachzufragen,
- zu spiegeln,
- eine Verbindung zu einem früheren Thema anzubieten,
- einen Widerspruch sichtbar zu machen,
- bewusst Raum zu lassen,
- die Reflexion zu vertiefen,
- oder die Reflexion abzuschließen.
Damit bleibt die Tagesreflexion ein echter Dialog und kein Fragebogen.
3.3 Spontaner Gedanke / Moment
Einen Einfall, ein Gefühl, eine Beobachtung oder einen kurzen Gedanken mit minimaler Einstiegshürde erfassen.
Beispiele:
- „Mir ist gerade etwas aufgefallen.“
- „Diesen Gedanken möchte ich nicht verlieren.“
- „Ich merke gerade, dass mich etwas beschäftigt.“
Kernanforderung:
Sehr geringe Reibung zwischen Impuls und Erfassung.
Eine spätere Vertiefung kann angeboten werden, muss aber nicht unmittelbar erfolgen.
3.4 Früheren Faden fortsetzen
An einen bestehenden Dialog, eine offene Frage oder einen früheren Denkfaden anknüpfen.
Kanshō muss dafür den früheren Denkstand rekonstruieren können und darf nicht wieder bei null beginnen.
Mögliche Einstiege:
- „Lass uns bei der Frage von gestern weitermachen.“
- „Ich habe noch einmal über unsere Diskussion nachgedacht.“
- „Ich glaube, ich habe eine Antwort auf die offene Frage.“
3.5 Tiefe Reflexion / biografische Frage
Ein persönliches Thema, einen Konflikt, ein wiederkehrendes Muster oder eine biografische Frage tiefer explorieren.
Beispiele:
- Vergangenheitsbewältigung,
- wiederkehrende persönliche Reaktionen,
- Verhältnis zu Leistung, Beziehungen oder Selbstbild,
- Fragen nach dem eigenen Wesenskern.
Hier darf Kanshō deutlich tiefer arbeiten als beim bloßen Festhalten eines Erlebnisses.
Gleichzeitig gelten die bereits definierten Grenzen:
- keine vorschnellen Kausalbehauptungen,
- keine ungeprüfte Psychologisierung,
- Beobachtung, Interpretation und Hypothese müssen unterscheidbar bleiben,
- bei Bedarf Re-Grounding auf Ursprungsquellen.
3.6 Entscheidung / Orientierung
Eine Situation, Entscheidung oder Unsicherheit einordnen.
Ziel ist nicht unmittelbar, eine Aufgabe zu erzeugen.
Kanshō kann beispielsweise unterstützen bei:
- Perspektivwechsel,
- Werteabgleich,
- inneren Zielkonflikten,
- Prioritäten,
- Bedeutung einer Entscheidung.
Wenn daraus später eine konkrete Handlungsabsicht entsteht, kann diese als Action Candidate an Kairo übergeben werden.
3.7 Inspiration / Vision / Kreativität
Ideen, Zukunftsbilder oder kreative Gedanken entfalten.
Beispiele:
- persönliche Vision,
- Lebensentwurf,
- kreative Produktidee,
- Inspiration aus einem Erlebnis,
- gedankliche Exploration neuer Möglichkeiten.
Kanshō soll hier stärker assoziativ und explorativ arbeiten dürfen, ohne Fakten und Hypothesen zu vermischen.
3.8 Achtsamkeit / Meditation / Check-in
Den aktuellen Zustand bewusst wahrnehmen oder gezielt innehalten.
Mögliche Formen:
- kurzer Check-in,
- Achtsamkeitsmoment,
- Atem- oder Wahrnehmungsübung,
- geführte Meditation,
- kontextbezogene Meditation,
- Reflexion nach einer Meditation.
Achtsamkeit ist dabei nicht mit reiner Entspannung gleichzusetzen.
3.9 Rückblick und persönliche Entwicklung
Veränderungen über längere Zeiträume betrachten.
Beispiele:
- „Wie hat sich meine Sicht auf Arbeit im letzten Jahr verändert?“
- „Was hat sich in meiner Haltung zu einem bestimmten Thema entwickelt?“
- „Welche früheren Fragen sehe ich heute anders?“
Kernziel:
Entwicklung über Zeit nachvollziehbar machen.
Dafür werden insbesondere langfristiges Memory, Reflection Spaces, Self Model, mindnet und Re-Grounding relevant.
3.10 Geplante Reflexionszeit / Ritual
Eine bewusst eingeplante Reflexionszeit durchführen.
Der Impuls kann beispielsweise aus Kairo stammen.
Beispiele:
- „Zeit mit dir selbst“
- Wochenreflexion
- Monatsreflexion
- Reflexionsritual innerhalb eines persönlichen Entwicklungspfads
Kanshō übernimmt die inhaltliche Reflexionsführung.
Kairo bleibt für Planung, Terminierung und Ritualstruktur verantwortlich.
3.11 Wiederfinden und Revue passieren
Frühere Erlebnisse, Aussagen oder Eindrücke erneut aufrufen.
Dieser Bereich enthält mindestens zwei unterschiedliche Intents:
Nachschlagen
Frage:
„Was war damals?“
Ziel:
- präzise Wiederfindung,
- hohe Quellenorientierung,
- möglichst geringe zusätzliche Interpretation.
Revue passieren
Frage:
„Wie war diese Zeit für mich?“
Ziel:
- kuratierter Rückblick,
- Erlebnisse und Eindrücke zusammenführen,
- Tagebucheinträge und relevante Erinnerungen wieder zugänglich machen,
- eine frühere Lebensphase bewusst erneut erleben beziehungsweise betrachten.
4. Abgrenzung: Nachschlagen, Revue passieren, Entwicklungsrückblick
Diese drei Intents dürfen fachlich nicht vermischt werden.
| Intent | Leitfrage | Primäres Ziel |
|---|---|---|
| Nachschlagen | Was war damals? | präzises Wiederfinden |
| Revue passieren | Wie war diese Zeit für mich? | Erinnern und erneutes Erleben |
| Entwicklungsrückblick | Was hat sich seit damals verändert? | Veränderung über Zeit verstehen |
Sie können intern als unterschiedliche Reflection Intents behandelt werden, ohne daraus zwingend drei getrennte Hauptfunktionen in der UI zu machen.
5. Übergänge zwischen Nutzungssituationen
Eine Interaktion kann ihren Charakter verändern.
Beispiel:
- Nutzer beginnt mit Erleben festhalten.
- Während des Erzählens taucht ein wiederkehrendes persönliches Thema auf.
- Kanshō erkennt daraus einen möglichen Reflexionsfaden.
- Der Nutzer entscheidet sich, diesen direkt zu vertiefen.
- Der Dialog wechselt in Tiefe Reflexion.
- Am Ende entsteht eine Handlungsabsicht.
- Daraus kann ein Action Candidate für Kairo entstehen.
Das Gespräch muss deshalb nicht zwingend in mehrere Chats oder sichtbare Modi zerlegt werden.
Die interne Struktur kann differenzierter sein als das sichtbare Nutzererlebnis.
6. Interviewmethode für die weitere Ausarbeitung
Jede Nutzungssituation wird nun einzeln anhand zweier Hauptfragen konkretisiert:
- Wie soll Kanshō sich in dieser Situation verhalten?
- Was soll Kanshō in dieser Situation ausdrücklich nicht tun?
Zusätzlich werden je Situation geprüft:
- gewünschte Aktivität der KI,
- Frageverhalten,
- Umgang mit Nebenfäden,
- erforderlicher Kontext,
- Memory-Nutzung,
- gewünschte Outputs,
- mögliche Übergänge in andere Intents,
- Rolle von Voice,
- Rolle von Journaling,
- Grenzen und Edge Cases.
7. Aktueller Interviewstand
1. Erleben festhalten – vorläufig ausreichend geklärt
Für diese Nutzungssituation liegt eine fachliche Baseline vor. Spätere Konkretisierungen erfolgen in Journaling-, Dialog- und UX-Kapiteln.
2. Tagesreflexion – in Bearbeitung
Bereits entschieden:
- Die Tagesreflexion soll überwiegend dynamisch statt leitfragenbasiert erfolgen.
- Kanshō soll an bisherige Dialoge, offene Threads und relevante Kontexte anknüpfen.
- Typischerweise soll ein guter Impuls den Reflexionsprozess eröffnen.
- Tiefe und Relevanz haben Vorrang vor einem vollständigen Fragenkatalog.
- Flache, generische oder wiederkehrende Fragen sollen aktiv vermieden werden.
- Kanshō soll sich an den individuellen Denk- und Antwortstil des Nutzers anpassen.
- Nach dem ersten Impuls folgt kein starrer Fragenbaum; Kanshō reagiert adaptiv auf die tatsächliche Antwort.
- Eine Tagesreflexions-Session darf enden, obwohl darin berührte Threads offen, wiedervorgelegt oder aktuell nicht relevant bleiben. Verbindlich gilt
Session Lifecycle ≠ Thread Lifecycle. - Ein Session-Ende kann durch den expliziten Nutzerwunsch, durch eine angenommene Abschlussmöglichkeit bei Reflection Saturation oder durch einen natürlichen Gesprächsauslauf entstehen. Es darf keinen Thread allein dadurch als
Resolvedbehandeln. - Der sichtbare Abschluss ist adaptiv und möglichst leicht: substanzielle Reflexionen erhalten grundsätzlich einen kurzen persönlichen Abschlussgedanken; kurze oder natürlich ausgelaufene Dialoge dürfen mit einer schlichten Bestätigung enden.
- Offene Punkte, Wiedervorlagen und wenige Anschlussmöglichkeiten werden nur kontextuell gezeigt. Ein obligatorischer Ergebnisbildschirm oder eine Abschluss-Checkliste ist nicht vorgesehen.
- Eine Tagesreflexion benötigt kein zwingendes Ergebnisartefakt. Unabhängig davon darf und muss Kanshō die für Kontinuität relevanten Originalquellen, Summaries, Erkenntnisse, offenen Fragen, Thread-Änderungen und möglichen Nebenfäden angemessen erhalten.
- Interne Summaries sind abgeleitete, quellengebundene Kontinuitätsstrukturen und keine automatisch bestätigten Erkenntnisse. Bei Drift, Abweichung, möglicher Fehlinterpretation oder auf Nutzerwunsch gilt das Re-Grounding aus
context_fidelity_and_regrounding.md. - Kontinuitätsarbeit kann bereits während einer langen Tagesreflexion erfolgen. Das Session-Ende ist ein zusätzlicher Prüfpunkt, aber weder der einzige Auslöser für Memory-/Summary-Pflege noch ein Zwang zur Erzeugung neuer Inhalte.
Frühere offene Punkte und aktualisierter Stand:
- Die frühere Frage „Wie erkennt Kanshō, dass heute eher keine tiefe Reflexion sinnvoll oder erwünscht ist?“ ist fachlich durch Intent-Abhängigkeit, persönliche Dialogtiefe, Gesprächssignale und Nutzerhoheit eingegrenzt. Die konkrete Erkennungslogik bleibt später technisch auszuarbeiten.
- Die frühere Frage „Wie soll Kanshō mit unscharfen Wiedervorlagen wie ‚später‘ umgehen, ohne unnötig nachzufragen?“ ist durch kontextbezogene Ableitung und gezieltes Nachfragen nur bei notwendiger Verlässlichkeit eingegrenzt. Die konkrete Ausprägung bleibt später in Dialog- und UX-Konzeption zu prüfen.
- Der Lebenszyklus der aktuellen Sitzung ist vom Lebenszyklus ihrer Threads getrennt. Die natürliche sichtbare Abschluss-Baseline ist entschieden; ihre genaue spätere UX-Darstellung bleibt konkretisierbar.
- Die Trennung zwischen optionalen Ergebnisartefakten und notwendiger interner Kontinuitätsarbeit ist entschieden. Noch offen sind die konkreten Erzeugungs- und Persistenzregeln der einzelnen Artefakte.
7.2 Querverweis: Thread Resurfacing und Reflection Saturation
Die querschnittliche Logik für Wiedervorlage, Wiederauftauchen offener Themen und erkannte Abschlussreife wird ab jetzt kanonisch in resurfacing_and_saturation.md gepflegt. Nutzungsspezifische Anforderungen innerhalb der Tagesreflexion verbleiben in diesem Dokument.
8.9 Vorläufige Nutzungstypologie
Für Kanshō wurde eine vorläufig vollständige Typologie typischer Nutzungssituationen festgelegt.
Diese Situationen beschreiben nicht den Lebensbereich, sondern den unmittelbaren Anlass beziehungsweise die Absicht, mit der ein Nutzer Kanshō öffnet oder durch einen externen Trigger in eine Reflexion geführt wird.
Die bisher identifizierten Nutzungssituationen sind:
-
Erleben festhalten
Ein Ereignis, einen Tag oder eine konkrete Erfahrung autobiografisch erfassen. -
Tagesreflexion
Den vergangenen Tag strukturiert, aber dialogisch reflektieren. -
Spontaner Gedanke / Moment
Einen Einfall, ein Gefühl, eine Beobachtung oder einen kurzen Gedanken mit möglichst geringer Einstiegshürde festhalten. -
Früheren Faden fortsetzen
An einen bestehenden Dialog, eine offene Frage oder einen früheren Denkfaden anknüpfen. -
Tiefe Reflexion / biografische Frage
Ein persönliches Thema, ein wiederkehrendes Muster oder eine biografische Frage tiefer explorieren. -
Entscheidung / Orientierung
Eine Situation, Entscheidung oder Unsicherheit einordnen und unterschiedliche Perspektiven prüfen. -
Inspiration / Vision / Kreativität
Ideen entwickeln, Zukunftsbilder erkunden, kreative Zusammenhänge herstellen oder Inspiration vertiefen. -
Achtsamkeit / Meditation / Check-in
Den gegenwärtigen Zustand wahrnehmen, bewusst innehalten oder eine geführte Achtsamkeits- beziehungsweise Meditationssequenz durchführen. -
Rückblick und persönliche Entwicklung
Veränderungen über längere Zeiträume betrachten, frühere und heutige Perspektiven vergleichen und Entwicklung nachvollziehen. -
Geplante Reflexionszeit / Ritual
Eine bewusst eingeplante Reflexionszeit durchführen, beispielsweise „Zeit mit dir selbst“, Wochenreflexion oder ein anderes Ritual. Der Auslöser kann unter anderem aus Kairo kommen. -
Wiederfinden und Revue passieren
Frühere Erlebnisse, Aussagen oder Eindrücke erneut aufrufen und entweder gezielt nachschlagen oder eine frühere Lebensphase beziehungsweise Erfahrung erneut bewusst durchgehen.
Unterschied zwischen Rückblick, Nachschlagen und Revue passieren
Diese drei Anwendungsabsichten sind fachlich zu unterscheiden:
-
Nachschlagen: „Was war damals?“
Ziel ist präzises Wiederfinden mit möglichst hoher Quellenorientierung und geringer Interpretation. -
Revue passieren: „Wie war diese Zeit für mich?“
Ziel ist ein kuratierter, zusammenhängender Rückblick auf Erlebnisse, Eindrücke, Tagebucheinträge und relevante Erinnerungen. -
Entwicklungsrückblick: „Was hat sich seit damals verändert?“
Ziel ist die Betrachtung persönlicher Entwicklung über Zeit.
Diese Unterschiede können intern als unterschiedliche Reflection Intents behandelt werden, ohne zwangsläufig drei getrennte sichtbare Funktionen zu erzeugen.
Externe Trigger
Nicht jede Kanshō-Interaktion muss ausschließlich durch einen spontanen manuellen Einstieg des Nutzers beginnen.
Andere Jinkendo-Komponenten dürfen perspektivisch einen Reflexionsanlass auslösen oder anbieten.
Beispiel:
- Kairo plant ein Ritual oder eine bewusste Reflexionszeit.
- Kanshō übernimmt anschließend Inhalt, Dialog und Reflexionsführung.
Damit bleibt die Produktgrenze erhalten:
Kairo plant den Anlass. Kanshō führt die Reflexion.
Ein umfassendes technisches Trigger-System wird daraus zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeleitet.
8. Entscheidungsstand
| Thema | Stand |
|---|---|
| Nutzungssituationen vs. Lebensbereiche | fachlich getrennt |
| Harte Moduswahl | nicht als Voraussetzung |
| Intent-Erkennung | Kanshō soll Intent möglichst erkennen können |
| Intent-Wechsel innerhalb eines Dialogs | erlaubt und fachlich vorgesehen |
| Dialogführung | eigene Dimension neben Reflection Intent |
| Adaptiver Dialog | bevorzugter Default für „Erleben festhalten“ |
| Explizite Moduswahl | möglich und hat Vorrang vor automatischer Erkennung |
| Lernende Dialogpräferenzen | pro Intent/Kontext lernbar, nicht global starr |
| Nutzungstypologie | elf Situationen |
| Geplante Reflexionszeit | eigene Nutzungssituation |
| Kairo-Trigger | Kairo kann Anlass planen, Kanshō führt Reflexion |
| Nachschlagen vs. Revue passieren | unterschiedliche Intents |
| Entwicklungsrückblick | von Nachschlagen/Revue passieren unterschieden |
| Erleben festhalten – Eingabeform | darf frei, fragmentarisch, nicht chronologisch, dialogisch oder interviewgeführt erfolgen |
| Intent vs. Dialogführung | getrennte fachliche Dimensionen |
| Dialogführung | explizit wählbar und zusätzlich durch Kanshō adaptiv erkennbar |
| Journal Entry | Ergebnis des Erfassungs-/Dialogprozesses, nicht zwingend direkte Eingabeform |
| Erleben festhalten – konkretes Dialogverhalten | differenziertes Arbeitsmodell vorhanden |