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| Kanshō – Self Model und Lived Experience | Arbeitsstand | 2026-08-18 | Jinkendo | Fachkapitel / Self Model / Point-in-Time Self / Digital Twin | fachliche_zielarchitektur.md |
# Kanshō – Self Model und Lived Experience
Dieses Dokument ist das kanonische Home für Self Model, bestätigte Identitätsaussagen, zeitgebundene Innenperspektive, Point-in-Time Self und den Lived-Experience-Layer des digitalen Zwillings.
10.4 Self Model
Das Self Model beschreibt nicht die spontane Interpretation der KI, sondern ein nachvollziehbares persönliches Selbstmodell.
Mögliche Bestandteile:
- Werte,
- Leitbild,
- Prinzipien,
- Rollen,
- langfristige Ziele,
- bestätigte persönliche Muster,
- Selbstbeschreibungen,
- wiederkehrende Spannungsfelder.
Das Self Model soll:
- versioniert sein,
- Herkunft und Zeitbezug einer Aussage kennen,
- Beobachtungen von Interpretationen unterscheiden,
- nicht stillschweigend von der KI verändert werden.
14. Self Model und „Wesenskern“
Ein zentrales Ziel ist, dass langfristig tiefere Verbindungen zur Persönlichkeit und zum eigenen Wesenskern erkennbar werden.
Dabei gilt jedoch eine wichtige Grenze:
Die KI soll keinen Wesenskern erfinden.
Das System soll vielmehr ein nachvollziehbares und versioniertes Selbstmodell aus belastbaren Quellen bilden.
Informationsquellen können sein:
- explizit formulierte Werte,
- Leitbild,
- Selbstbeschreibungen,
- bestätigte Erkenntnisse,
- frühere Reflexionen,
- dokumentierte Entscheidungen,
- längerfristig wiederkehrende Muster.
Wird ein potenziell neues grundlegendes Muster erkannt, soll die KI es zunächst als Hypothese behandeln.
Beispiel:
„In mehreren Reflexionen scheint Selbstbestimmung eine wichtige Rolle zu spielen. Das ist bisher nicht ausdrücklich Teil deines Wertemodells. Möchtest du das genauer betrachten?“
Eine solche Aussage wird erst nach bewusster Bestätigung Bestandteil eines stabilen Self Models.
17.1 Zeitgebundene Innenperspektive und digitaler Zwilling
Durch die Persistenz der vollständigen Kanshō-Unterhaltungen entsteht eine zusätzliche Ebene des persönlichen digitalen Zwillings.
mindnet bildet bisher vor allem langfristig nutzbares persönliches Wissen und Zusammenhänge ab, beispielsweise:
- Erfahrungen,
- Erlebnisse,
- Entscheidungen,
- Erkenntnisse,
- Werte,
- Leitbild,
- Beziehungen zwischen Wissenselementen.
Kanshō ergänzt diese Ebene um die zeitgebundene Innenperspektive des Nutzers.
Dabei werden nicht nur Ergebnisse einer Reflexion gespeichert, sondern – soweit vom Nutzer vorgesehen – auch die zugrunde liegenden Dialoge, in denen sichtbar wird:
- wie der Nutzer zu einem bestimmten Zeitpunkt gedacht hat,
- welche Gefühle er beschrieben hat,
- welche Zweifel oder Ambivalenzen bestanden,
- welche Alternativen erwogen wurden,
- wie sich eine Haltung im Gespräch entwickelt hat,
- welche Fragen noch offen waren,
- welche Aussagen nur Hypothesen oder Momentaufnahmen waren,
- welche Sprache und Denkstruktur zu diesem Zeitpunkt verwendet wurde.
„Soweit vom Nutzer vorgesehen“ bedeutet dabei keine erneute Opt-in-Entscheidung für jeden Dialog. Die fachliche Baseline ist die unmittelbare Bewahrung der vollständigen inhaltlichen Dialogquelle beziehungsweise einer verlässlichen Originalrepräsentation. Davon kann der Nutzer ausdrücklich abweichen oder eine Löschung verlangen; eine dafür berechtigte administrative Löschung bleibt ebenfalls möglich. Alter, Datenmenge, geringe aktuelle Relevanz oder eine vorhandene Summary sind für sich allein kein Löschgrund. Die skalierbare Organisation der wachsenden Quellenmenge wird in memory_and_context.md geführt.
Diese Ebene wird vorläufig als Lived Experience / Inner-State Layer bezeichnet.
Keine Behauptung eines objektiven inneren Zustands
Kanshō kann nicht unmittelbar wissen, was ein Mensch „wirklich“ denkt oder fühlt.
Gespeichert wird deshalb fachlich die:
zu einem bestimmten Zeitpunkt geäußerte, beobachtbare und kontextgebundene Innenperspektive des Nutzers.
Eine Aussage wie „Ich war damals zufrieden“ ist damit zunächst eine zeitgebundene Selbstäußerung und keine objektive psychologische Diagnose.
Diese Unterscheidung ist für die langfristige Integrität des digitalen Zwillings wesentlich.
Point-in-Time Self
Die Kombination aus vollständigen Dialogquellen, zeitlichen Zuständen und langfristigem Wissen eröffnet perspektivisch eine neue Fähigkeit:
Wie habe ich zu einem bestimmten Zeitpunkt gedacht, gefühlt, bewertet und argumentiert?
Ein späterer Zustand soll einen früheren nicht überschreiben.
Beispiele:
- „Damals glaubte ich X, heute sehe ich es anders.“
- „Vor zwei Jahren war diese Entscheidung für mich mit anderen Gefühlen verbunden.“
- „Dieses Thema wurde damals als Hypothese betrachtet und erst später zu einer bestätigten Erkenntnis.“
Damit bildet Kanshō nicht nur ein aktuelles persönliches Modell, sondern eine zeitliche Entwicklung des Selbstmodells und der erlebten Innenperspektive.
Beziehung zu mindnet
Kanshō und mindnet besitzen dabei unterschiedliche, komplementäre Rollen:
Kanshō
- bewahrt dialogische Originalquellen,
- erfasst zeitgebundene Gedanken und ausgedrückte Gefühle,
- erhält Ambivalenzen, Zweifel und Denkwege,
- ermöglicht Point-in-Time-Rekonstruktion.
mindnet
- integriert langfristig relevante Erkenntnisse,
- vernetzt Erfahrungen, Entscheidungen, Werte und Wissenselemente,
- unterstützt semantisches Retrieval und übergreifende Zusammenhänge.
Kanshō soll damit nicht mindnet ersetzen, sondern mindnet um eine reichere autobiografische Quellen- und Erlebnisebene ergänzen.
Originalquelle vor Interpretation
Die vollständige Unterhaltung ist für diese Funktion besonders wertvoll, weil sie späteres Re-Grounding ermöglicht.
Daraus folgt ein wichtiges Prinzip:
Rohdialoge beziehungsweise deren verlässliche Originalrepräsentation sind Primärquellen. Summaries, Memories, Emotionseinordnungen, Muster und Self-Model-Aussagen sind abgeleitete Schichten.
Abgeleitete Interpretationen dürfen die Originalquelle nicht ersetzen.
Widerspruch und Veränderung sind Information
Der digitale Zwilling darf Widersprüche nicht automatisch „glattziehen“.
Wenn ein Nutzer zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschiedene Sichtweisen äußert, kann gerade diese Veränderung fachlich bedeutsam sein.
Deshalb sollen:
- frühere Zustände erhalten bleiben,
- zeitliche Gültigkeit berücksichtigt werden,
- Korrekturen und Neubewertungen nachvollziehbar sein,
- konkurrierende Perspektiven koexistieren können.
Langfristige Perspektive
Diese Architektur ermöglicht perspektivisch Fragen wie:
- „Wie habe ich diese Lebensphase damals erlebt?“
- „Welche Sorgen hatte ich vor dieser Entscheidung?“
- „Wie hat sich meine Haltung zu Leistung verändert?“
- „Was habe ich damals über meine Rolle als Vater gedacht?“
- „Wann begann sich meine Sicht auf dieses Thema zu verändern?“
Damit wird Kanshō zu einer wesentlichen Daten- und Reflexionsquelle für einen langfristig wachsenden persönlichen digitalen Zwilling.
2.12 Zeitgebundene Innenperspektive und Digital-Twin-Layer
Die Persistenz der vollständigen Kanshō-Dialoge wird als eigenständige Quelle des persönlichen digitalen Zwillings betrachtet.
Kanshō ergänzt mindnet um eine Lived Experience / Inner-State Layer.
Diese Ebene soll zeitgebunden rekonstruierbar machen:
- geäußerte Gedanken,
- beschriebene Gefühle,
- Zweifel,
- Ambivalenzen,
- Bewertungsprozesse,
- alternative Überlegungen,
- offene Fragen,
- Entwicklung einer Haltung innerhalb und zwischen Dialogen.
Architektur-Invarianten
-
Originalquelle bleibt erhalten
Rohdialog beziehungsweise verlässliche Originalrepräsentation darf nicht durch Summaries oder extrahierte Memories ersetzt werden. -
Abgeleitete Schichten bleiben als solche gekennzeichnet
Emotionseinordnung, Hypothese, Pattern, Memory, Knowledge Delta oder Self-Model-Aussage sind Ableitungen mit Provenance. -
Zeitbezug ist wesentlich
Aussagen müssen im späteren Memory-/Datenmodell zeitlich einordenbar sein. -
Frühere Zustände werden nicht überschrieben
Eine heutige Sicht ersetzt nicht automatisch die frühere Innenperspektive. -
Widerspruch ist zulässige Information
Unterschiedliche Sichtweisen zu verschiedenen Zeitpunkten dürfen nebeneinander bestehen. -
Keine objektive Psychologisierung
Aus Dialogen wird die geäußerte Innenperspektive modelliert, nicht ein behaupteter „wahrer“ psychischer Zustand. -
Re-Grounding muss bis zu dieser Quellenebene reichen können
Langfristige Ableitungen müssen bei Bedarf gegen die ursprünglichen Dialoge geprüft werden können.
Architekturweite Auswirkungen
Dieses Prinzip muss später insbesondere berücksichtigt werden in:
dialogue_data_model.mdmemory_architecture.mdepisodic_memory.mdself_model.mdtemporal_memory.mdconflicts_forgetting_and_correction.mdcontext_builder.mdcontext_drift_and_regrounding.mdmindnet_integration.mdobsidian_integration.mdmemory_write_policy.mdversioning_and_provenance.mdretention_and_deletion.mdprivacy_principles.mdsensitive_personal_data.mdmemory_transparency.md
Bei diesen Kapiteln ist jeweils zu prüfen, ob die Point-in-Time-Rekonstruktion der ursprünglichen Innenperspektive erhalten bleibt.