From ed90291838702f56427a96198b23c74e141d0489 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Lars Date: Tue, 18 Aug 2026 16:40:00 +0200 Subject: [PATCH] Dateien nach "docs/architecture/functional" hochladen --- .../functional/usage_situations.md | 628 ++++++++++++++++++ 1 file changed, 628 insertions(+) create mode 100644 docs/architecture/functional/usage_situations.md diff --git a/docs/architecture/functional/usage_situations.md b/docs/architecture/functional/usage_situations.md new file mode 100644 index 0000000..dcca50e --- /dev/null +++ b/docs/architecture/functional/usage_situations.md @@ -0,0 +1,628 @@ +--- +title: "Kanshō – Typische Nutzungssituationen" +version: "0.1" +status: "In Bearbeitung" +date: "2026-08-18" +document_role: "Fachkapitel / Users and Context / Usage Situations" +parent_document: "fachliche_zielarchitektur.md" +--- + +# Kanshō – Typische Nutzungssituationen + +## 1. Zweck dieses Dokuments + +Dieses Dokument konkretisiert die typischen Nutzungssituationen von Kanshō. + +Es beschreibt **nicht primär Lebensbereiche** wie Beruf, Familie, Urlaub oder persönliche Entwicklung. Diese bilden Kontext beziehungsweise Reflection Spaces. + +Die Nutzungssituation beschreibt vielmehr: + +> **Aus welchem unmittelbaren Anlass kommt der Nutzer zu Kanshō und was möchte er in diesem Moment von der Anwendung?** + +Die Nutzungssituationen bilden damit die fachliche Grundlage für die spätere Ausgestaltung von: + +- Dialogverhalten, +- Reflection Intents, +- Einstiegslogik, +- Context Builder, +- Memory-Nutzung, +- Journaling, +- Achtsamkeit und Meditation, +- Trigger aus anderen Jinkendo-Anwendungen, +- mobile User Experience. + +Dieses Kapitel wird szenariobasiert weiterentwickelt. + +--- + +# 2. Grundprinzipien + +## 2.1 Nutzungssituation ist nicht gleich Lebensbereich + +Beispiele für Lebensbereiche beziehungsweise Kontexte sind: + +- Urlaub, +- Beruf, +- Familie, +- Partnerschaft, +- persönliche Entwicklung, +- Kreativität. + +Eine Nutzungssituation beschreibt dagegen, **was der Nutzer gerade tun möchte**. + +Beispiel: + +`Reflection Space: Lošinj 2026` + +kann gleichzeitig folgende Nutzungssituationen enthalten: + +- einen Urlaubstag festhalten, +- eine Tagesreflexion durchführen, +- einen spontanen Gedanken erfassen, +- einen früheren Reflexionsfaden fortsetzen, +- eine tiefergehende persönliche Frage untersuchen, +- später auf die Zeit zurückblicken. + +Damit bleiben Kontext und Intent fachlich getrennt. + +--- + +## 2.2 Keine harte Moduswahl als Voraussetzung + +Der Nutzer soll grundsätzlich nicht vor jeder Interaktion zuerst einen Modus wie + +`Tagebuch | Reflexion | Entscheidung | Kreativität | Meditation` + +auswählen müssen. + +Kanshō soll den wahrscheinlichsten Reflection Intent aus Kontext und Einstieg erkennen und sein Verhalten daran anpassen. + +Der Intent kann: + +- explizit gewählt oder genannt werden, +- von Kanshō erkannt werden, +- sich während eines Dialogs verändern, +- parallel zu weiteren Threads entstehen. + +Ein Gespräch bleibt dabei möglichst natürlich und wird nicht allein aufgrund eines Intent-Wechsels künstlich in mehrere Chats zerlegt. + +--- + +## 2.3 Externe Reflexionsanlässe + +Nicht jede Interaktion muss ausschließlich spontan durch den Nutzer gestartet werden. + +Andere Jinkendo-Komponenten dürfen perspektivisch einen Reflexionsanlass auslösen oder anbieten. + +Ein bereits identifiziertes Beispiel ist Kairo: + +> **Kairo plant den Anlass. Kanshō führt die Reflexion.** + +Beispiele: + +- „Zeit mit dir selbst“ +- Wochenreflexion +- persönliches Reflexionsritual +- geplante Reflexion innerhalb eines Entwicklungspfads + +Die genaue technische Trigger-Architektur wird später spezifiziert. + +--- + +# 3. Vorläufig vollständige Nutzungstypologie + +Die bisher identifizierte Typologie umfasst elf grundlegende Nutzungssituationen. + +Sie gilt als **vorläufig vollständig**, bleibt aber erweiterbar, wenn spätere Szenarien einen tatsächlich neuen Nutzungstyp erkennen lassen. + +## 3.1 Erleben festhalten + +Ein Ereignis, einen Tag oder eine konkrete Erfahrung autobiografisch erfassen. + +Beispiele: + +- Urlaubstag erzählen, +- besonderes Erlebnis dokumentieren, +- Begegnung oder Situation festhalten. + +Kernziel: + +> Das Erlebte authentisch festhalten, ohne dass Kanshō die Erzählung unnötig in eine tiefe Reflexion umwandelt. + +--- + +## 3.2 Tagesreflexion + +Den vergangenen Tag strukturiert, aber dialogisch reflektieren. + +Mögliche Inhalte: + +- Was ist passiert? +- Was war bedeutsam? +- Was hat beschäftigt? +- Was war angenehm oder schwierig? +- Welche Gedanken oder Fragen bleiben? + +Die Tagesreflexion kann anschließend zu einem generierten persönlichen Tagebucheintrag führen. + +--- + + +### Fachliche Ausprägung der Tagesreflexion + +Die Tagesreflexion soll **nicht** auf einem starren oder regelmäßig wiederkehrenden Fragenkatalog basieren. + +Der bevorzugte Ansatz ist eine dynamische, kontextbezogene Reflexionsführung. + +Kanshō soll dabei insbesondere berücksichtigen: + +- bisherige Dialoge und offene Threads, +- aktuelle Reflection Spaces, +- Ereignisse oder Erkenntnisse aus dem laufenden Tag, +- länger laufende persönliche Themen, +- den individuellen Denk- und Antwortstil des Nutzers, +- bereits bekannte Präferenzen für Tiefe, Direktheit und Frageform, +- frühere Fragen, damit unnötige Wiederholungen vermieden werden. + +### Grundprinzip: ein guter Impuls statt vieler Fragen + +Typischerweise soll ein **guter, persönlich relevanter Impuls** ausreichen, um die Reflexion zu öffnen. + +Kanshō soll nicht versuchen, durch eine feste Sequenz von Standardfragen Vollständigkeit zu erzeugen. + +Stattdessen gilt: + +> **Tiefe vor Vollständigkeit. Relevanz vor Routine.** + +Ein einzelner guter Impuls kann beispielsweise anknüpfen an: + +- etwas Unabgeschlossenes vom Vortag, +- einen Widerspruch zwischen zwei früheren Aussagen, +- eine Veränderung im Befinden, +- einen überraschenden Moment, +- ein wiederkehrendes persönliches Thema, +- einen Kontrast zwischen Erwartung und tatsächlichem Erleben. + +### Vermeidung flacher oder repetitiver Fragen + +Kanshō soll insbesondere vermeiden: + +- immer wieder dieselben Fragen zu stellen, +- generische Journaling-Prompts ohne persönlichen Bezug, +- routinemäßige Fragen wie „Wofür bist du dankbar?“, wenn sie nicht zum aktuellen Kontext passen, +- mechanische Frageketten, +- Fragen, deren Antwort aus dem bisherigen Kontext bereits bekannt ist, +- künstlich tief wirkende Fragen ohne erkennbare Verbindung zum aktuellen Erleben. + +Wiederholung oder Oberflächlichkeit ist nicht nur ein Qualitätsproblem, sondern kann die Motivation zur Reflexion aktiv reduzieren. + +### Anpassung an Denk- und Antwortstil + +Kanshō soll sich nicht nur sprachlich, sondern auch in seiner **Art zu fragen und zu reflektieren** an den Nutzer anpassen. + +Dazu gehören beispielsweise: + +- gewünschter Grad an Direktheit, +- bevorzugte Tiefe, +- eher analytische oder eher offene Impulse, +- Länge der Fragen, +- Umgang mit Ambivalenz, +- Geschwindigkeit, mit der Kanshō von Beschreibung zu Interpretation wechselt, +- bevorzugter Rhythmus zwischen Frage, Spiegelung und freiem Raum. + +Diese Anpassung soll lernend und kontextbezogen erfolgen. + + +### Priorisierung von aktuellem und früherem Kontext + +Für die Tagesreflexion gilt grundsätzlich: + +> **Der aktuelle Tag beziehungsweise das aktuell Erlebte hat Vorrang.** + +Ältere Erlebnisse, frühere Threads oder offene Fragen sollen nicht allein deshalb in den Vordergrund gestellt werden, weil sie noch offen sind. + +Ein früherer Kontext darf jedoch aktiv einbezogen werden, wenn mindestens einer der folgenden Fälle vorliegt: + +1. **Explizite Nutzerintention** + Der Nutzer möchte bewusst an einem früheren Erlebnis, Dialog oder offenen Faden weiterarbeiten. + +2. **Aktiver Gegenwartsbezug** + Ein aktuelles Erlebnis, Gedanke oder Gefühl steht erkennbar in Beziehung zu einem früheren Thema. + +3. **Wiederkehrendes Muster mit aktuellem Signal** + Das heutige Erleben aktiviert oder bestätigt möglicherweise ein bereits bekanntes Muster oder eine frühere offene Frage. + +In diesen Fällen darf Kanshō den früheren Kontext gezielt in den aktuellen Reflexionsimpuls einbauen. + +Nicht erwünscht ist dagegen: + +- ein zufälliges Hervorholen alter offener Themen ohne aktuellen Bezug, +- eine Priorisierung allein nach „am längsten offen“, +- eine Unterbrechung des aktuellen Erlebens zugunsten historischer Threads, +- eine künstliche Verbindung zwischen heute und früher, wenn die Beziehung nur schwach oder spekulativ ist. + + +### Explizite Fokuswahl und Themenkatalog + +Neben der automatischen Priorisierung durch Kanshō soll der Nutzer den Fokus jederzeit bewusst verändern können. + +Das bevorzugte Interaktionsmodell lautet: + +1. Kanshō bietet **einen intelligent priorisierten Hauptimpuls** an. +2. Daneben werden nur wenige diskrete Alternativen gezeigt. +3. Zusätzlich kann der Nutzer bei Bedarf einen erweiterten **Katalog aktuell relevanter Reflexionsgegenstände** öffnen. +4. Eine bewusste Auswahl durch den Nutzer verschiebt den Fokus unmittelbar. + +Der Katalog ist ausdrücklich **kein statischer Fragenkatalog**. + +Er enthält vielmehr kontextbezogene Kandidaten wie beispielsweise: + +- heutige Erlebnisse, +- auffällige Momente, +- offene Gedanken, +- relevante frühere Threads mit aktuellem Bezug, +- vom Nutzer markierte Themen, +- aktuelle Reflection Spaces, +- gegebenenfalls bewusst geplante Reflexionsgegenstände. + +Damit bleibt die normale Oberfläche ruhig und fokussiert, ohne den Nutzer an die Priorisierung der KI zu binden. + + +### Explizite Wiedervorlage von Themen + +Der Nutzer soll während oder am Ende einer Reflexion ausdrücklich festlegen können, dass ein Thema später wieder aufgenommen werden soll. + +Beispiele: + +- „Lass uns morgen daran weiterarbeiten.“ +- „Erinnere mich später noch einmal an diesen Gedanken.“ +- „Beim nächsten Abend-Check-in möchte ich darauf zurückkommen.“ +- „Dieses Thema möchte ich nächste Woche wieder aufnehmen.“ + +Kanshō soll daraus keinen neuen fachlichen Reflection Space erzwingen, sondern den bestehenden Thread beziehungsweise Reflexionsgegenstand mit einer **Wiedervorlageabsicht** versehen. + +Zum gewünschten Zeitpunkt beziehungsweise bei der nächsten passenden Nutzung soll Kanshō das Thema automatisch wieder als relevanten Fortsetzungsimpuls anbieten. + +### Priorität einer expliziten Wiedervorlage + +Eine vom Nutzer gesetzte Wiedervorlage besitzt eine höhere Priorität als rein algorithmisch erkannte offene Threads. + +Sie steht jedoch weiterhin unter der jeweils aktuellen Nutzerintention. + +Wenn der Nutzer beispielsweise am Folgetag ausdrücklich mit einem anderen Thema beginnt, soll Kanshō die Wiedervorlage nicht aufdrängen, sondern diskret als passende Alternative verfügbar halten. + +### Zeitliche Ausprägung + +Die Wiedervorlage kann unterschiedlich präzise sein: + +- **konkret:** „morgen“, „heute Abend“, „nächsten Freitag“ +- **situativ:** „beim nächsten Tagesrückblick“ +- **unscharf:** „später“, „demnächst“, „wenn das Thema wieder relevant wird“ + +Bei unscharfen Angaben soll Kanshō einen sinnvollen Wiedervorlagekontext ableiten beziehungsweise – falls für die gewünschte Verlässlichkeit notwendig – nachfragen. + +### Verhältnis zu Kairo + +Eine Wiedervorlage innerhalb von Kanshō ist fachlich von einer Aufgabe, einem Termin oder einem Ritual in Kairo zu unterscheiden. + +- **Kanshō:** „Dieses Reflexionsthema später wieder aufnehmen.“ +- **Kairo:** „Eine geplante Aktivität, ein Ritual oder eine konkrete Aufgabe terminieren und steuern.“ + +Erst wenn aus der Reflexion eine echte Handlungs- oder Planungsanforderung entsteht, soll eine Übergabe an Kairo angeboten werden. + + +### Vorrang der Nutzerwahl + +Eine explizite Fokuswahl durch den Nutzer hat jederzeit Vorrang vor der automatischen Priorisierung. + +Kanshō darf nach der Auswahl weiterhin Zusammenhänge zu anderen Themen erkennen und bei Bedarf anbieten, soll den gewählten Fokus aber nicht ohne guten Grund wieder verlassen. + + +### Prioritätsregel + +Die fachliche Reihenfolge lautet damit: + +1. **Explizite aktuelle Nutzerintention** +2. **Aktueller Tages- und Erlebniskontext** +3. **Frühere Themen mit erkennbarem aktuellen Bezug** +4. **Sonstige offene historische Threads** + +Punkt 4 wird nur dann aktiv angeboten, wenn dies zur aktuellen Nutzungssituation passt oder der Nutzer ausdrücklich nach offenen Themen sucht. + + +### Dialogverhalten nach dem ersten Impuls + +Nach dem ersten Impuls soll Kanshō nicht automatisch die nächste vorbereitete Frage stellen. + +Stattdessen reagiert es auf die tatsächliche Antwort und entscheidet situativ, ob der nächste sinnvolle Schritt eher ist: + +- nachzufragen, +- zu spiegeln, +- eine Verbindung zu einem früheren Thema anzubieten, +- einen Widerspruch sichtbar zu machen, +- bewusst Raum zu lassen, +- die Reflexion zu vertiefen, +- oder die Reflexion abzuschließen. + +Damit bleibt die Tagesreflexion ein echter Dialog und kein Fragebogen. + +--- + +## 3.3 Spontaner Gedanke / Moment + +Einen Einfall, ein Gefühl, eine Beobachtung oder einen kurzen Gedanken mit minimaler Einstiegshürde erfassen. + +Beispiele: + +- „Mir ist gerade etwas aufgefallen.“ +- „Diesen Gedanken möchte ich nicht verlieren.“ +- „Ich merke gerade, dass mich etwas beschäftigt.“ + +Kernanforderung: + +> Sehr geringe Reibung zwischen Impuls und Erfassung. + +Eine spätere Vertiefung kann angeboten werden, muss aber nicht unmittelbar erfolgen. + +--- + +## 3.4 Früheren Faden fortsetzen + +An einen bestehenden Dialog, eine offene Frage oder einen früheren Denkfaden anknüpfen. + +Kanshō muss dafür den früheren Denkstand rekonstruieren können und darf nicht wieder bei null beginnen. + +Mögliche Einstiege: + +- „Lass uns bei der Frage von gestern weitermachen.“ +- „Ich habe noch einmal über unsere Diskussion nachgedacht.“ +- „Ich glaube, ich habe eine Antwort auf die offene Frage.“ + +--- + +## 3.5 Tiefe Reflexion / biografische Frage + +Ein persönliches Thema, einen Konflikt, ein wiederkehrendes Muster oder eine biografische Frage tiefer explorieren. + +Beispiele: + +- Vergangenheitsbewältigung, +- wiederkehrende persönliche Reaktionen, +- Verhältnis zu Leistung, Beziehungen oder Selbstbild, +- Fragen nach dem eigenen Wesenskern. + +Hier darf Kanshō deutlich tiefer arbeiten als beim bloßen Festhalten eines Erlebnisses. + +Gleichzeitig gelten die bereits definierten Grenzen: + +- keine vorschnellen Kausalbehauptungen, +- keine ungeprüfte Psychologisierung, +- Beobachtung, Interpretation und Hypothese müssen unterscheidbar bleiben, +- bei Bedarf Re-Grounding auf Ursprungsquellen. + +--- + +## 3.6 Entscheidung / Orientierung + +Eine Situation, Entscheidung oder Unsicherheit einordnen. + +Ziel ist nicht unmittelbar, eine Aufgabe zu erzeugen. + +Kanshō kann beispielsweise unterstützen bei: + +- Perspektivwechsel, +- Werteabgleich, +- inneren Zielkonflikten, +- Prioritäten, +- Bedeutung einer Entscheidung. + +Wenn daraus später eine konkrete Handlungsabsicht entsteht, kann diese als Action Candidate an Kairo übergeben werden. + +--- + +## 3.7 Inspiration / Vision / Kreativität + +Ideen, Zukunftsbilder oder kreative Gedanken entfalten. + +Beispiele: + +- persönliche Vision, +- Lebensentwurf, +- kreative Produktidee, +- Inspiration aus einem Erlebnis, +- gedankliche Exploration neuer Möglichkeiten. + +Kanshō soll hier stärker assoziativ und explorativ arbeiten dürfen, ohne Fakten und Hypothesen zu vermischen. + +--- + +## 3.8 Achtsamkeit / Meditation / Check-in + +Den aktuellen Zustand bewusst wahrnehmen oder gezielt innehalten. + +Mögliche Formen: + +- kurzer Check-in, +- Achtsamkeitsmoment, +- Atem- oder Wahrnehmungsübung, +- geführte Meditation, +- kontextbezogene Meditation, +- Reflexion nach einer Meditation. + +Achtsamkeit ist dabei nicht mit reiner Entspannung gleichzusetzen. + +--- + +## 3.9 Rückblick und persönliche Entwicklung + +Veränderungen über längere Zeiträume betrachten. + +Beispiele: + +- „Wie hat sich meine Sicht auf Arbeit im letzten Jahr verändert?“ +- „Was hat sich in meiner Haltung zu einem bestimmten Thema entwickelt?“ +- „Welche früheren Fragen sehe ich heute anders?“ + +Kernziel: + +> Entwicklung über Zeit nachvollziehbar machen. + +Dafür werden insbesondere langfristiges Memory, Reflection Spaces, Self Model, mindnet und Re-Grounding relevant. + +--- + +## 3.10 Geplante Reflexionszeit / Ritual + +Eine bewusst eingeplante Reflexionszeit durchführen. + +Der Impuls kann beispielsweise aus Kairo stammen. + +Beispiele: + +- „Zeit mit dir selbst“ +- Wochenreflexion +- Monatsreflexion +- Reflexionsritual innerhalb eines persönlichen Entwicklungspfads + +Kanshō übernimmt die inhaltliche Reflexionsführung. + +Kairo bleibt für Planung, Terminierung und Ritualstruktur verantwortlich. + +--- + +## 3.11 Wiederfinden und Revue passieren + +Frühere Erlebnisse, Aussagen oder Eindrücke erneut aufrufen. + +Dieser Bereich enthält mindestens zwei unterschiedliche Intents: + +### Nachschlagen + +Frage: + +> **„Was war damals?“** + +Ziel: + +- präzise Wiederfindung, +- hohe Quellenorientierung, +- möglichst geringe zusätzliche Interpretation. + +### Revue passieren + +Frage: + +> **„Wie war diese Zeit für mich?“** + +Ziel: + +- kuratierter Rückblick, +- Erlebnisse und Eindrücke zusammenführen, +- Tagebucheinträge und relevante Erinnerungen wieder zugänglich machen, +- eine frühere Lebensphase bewusst erneut erleben beziehungsweise betrachten. + +--- + +# 4. Abgrenzung: Nachschlagen, Revue passieren, Entwicklungsrückblick + +Diese drei Intents dürfen fachlich nicht vermischt werden. + +| Intent | Leitfrage | Primäres Ziel | +|---|---|---| +| **Nachschlagen** | Was war damals? | präzises Wiederfinden | +| **Revue passieren** | Wie war diese Zeit für mich? | Erinnern und erneutes Erleben | +| **Entwicklungsrückblick** | Was hat sich seit damals verändert? | Veränderung über Zeit verstehen | + +Sie können intern als unterschiedliche Reflection Intents behandelt werden, ohne daraus zwingend drei getrennte Hauptfunktionen in der UI zu machen. + +--- + +# 5. Übergänge zwischen Nutzungssituationen + +Eine Interaktion kann ihren Charakter verändern. + +Beispiel: + +1. Nutzer beginnt mit **Erleben festhalten**. +2. Während des Erzählens taucht ein wiederkehrendes persönliches Thema auf. +3. Kanshō erkennt daraus einen möglichen Reflexionsfaden. +4. Der Nutzer entscheidet sich, diesen direkt zu vertiefen. +5. Der Dialog wechselt in **Tiefe Reflexion**. +6. Am Ende entsteht eine Handlungsabsicht. +7. Daraus kann ein **Action Candidate** für Kairo entstehen. + +Das Gespräch muss deshalb nicht zwingend in mehrere Chats oder sichtbare Modi zerlegt werden. + +Die interne Struktur kann differenzierter sein als das sichtbare Nutzererlebnis. + +--- + +# 6. Interviewmethode für die weitere Ausarbeitung + +Jede Nutzungssituation wird nun einzeln anhand zweier Hauptfragen konkretisiert: + +1. **Wie soll Kanshō sich in dieser Situation verhalten?** +2. **Was soll Kanshō in dieser Situation ausdrücklich nicht tun?** + +Zusätzlich werden je Situation geprüft: + +- gewünschte Aktivität der KI, +- Frageverhalten, +- Umgang mit Nebenfäden, +- erforderlicher Kontext, +- Memory-Nutzung, +- gewünschte Outputs, +- mögliche Übergänge in andere Intents, +- Rolle von Voice, +- Rolle von Journaling, +- Grenzen und Edge Cases. + +--- + +# 7. Aktueller Interviewstand + +## 1. Erleben festhalten – vorläufig ausreichend geklärt + +Für diese Nutzungssituation liegt eine fachliche Baseline vor. Spätere Konkretisierungen erfolgen in Journaling-, Dialog- und UX-Kapiteln. + +## 2. Tagesreflexion – in Bearbeitung + +Bereits entschieden: + +- Die Tagesreflexion soll überwiegend dynamisch statt leitfragenbasiert erfolgen. +- Kanshō soll an bisherige Dialoge, offene Threads und relevante Kontexte anknüpfen. +- Typischerweise soll **ein guter Impuls** den Reflexionsprozess eröffnen. +- Tiefe und Relevanz haben Vorrang vor einem vollständigen Fragenkatalog. +- Flache, generische oder wiederkehrende Fragen sollen aktiv vermieden werden. +- Kanshō soll sich an den individuellen Denk- und Antwortstil des Nutzers anpassen. +- Nach dem ersten Impuls folgt kein starrer Fragenbaum; Kanshō reagiert adaptiv auf die tatsächliche Antwort. + +Noch zu klären: + +- Wie erkennt Kanshō, dass heute eher keine tiefe Reflexion sinnvoll oder erwünscht ist? +- Wie soll Kanshō mit unscharfen Wiedervorlagen wie „später“ umgehen, ohne unnötig nachzufragen? +- Wann ist eine Tagesreflexion fachlich abgeschlossen? +- Welche Outputs entstehen standardmäßig am Ende? + +# 8. Entscheidungsstand + +| Thema | Stand | +|---|---| +| Nutzungssituationen vs. Lebensbereiche | fachlich getrennt | entschieden | +| Harte Moduswahl | nicht als Voraussetzung | entschieden | +| Intent-Erkennung | Kanshō soll Intent möglichst erkennen können | entschieden | +| Intent-Wechsel innerhalb eines Dialogs | erlaubt und fachlich vorgesehen | entschieden | +| Dialogführung | eigene Dimension neben Reflection Intent | entschieden | +| Adaptiver Dialog | bevorzugter Default für „Erleben festhalten“ | entschieden | +| Explizite Moduswahl | möglich und hat Vorrang vor automatischer Erkennung | entschieden | +| Lernende Dialogpräferenzen | pro Intent/Kontext lernbar, nicht global starr | entschieden | +| Nutzungstypologie | elf Situationen | vorläufig vollständig | +| Geplante Reflexionszeit | eigene Nutzungssituation | entschieden | +| Kairo-Trigger | Kairo kann Anlass planen, Kanshō führt Reflexion | entschieden | +| Nachschlagen vs. Revue passieren | unterschiedliche Intents | entschieden | +| Entwicklungsrückblick | von Nachschlagen/Revue passieren unterschieden | entschieden | +| Erleben festhalten – Eingabeform | darf frei, fragmentarisch, nicht chronologisch, dialogisch oder interviewgeführt erfolgen | bevorzugte Richtung | +| Intent vs. Dialogführung | getrennte fachliche Dimensionen | bevorzugte Richtung | +| Dialogführung | explizit wählbar und zusätzlich durch Kanshō adaptiv erkennbar | bevorzugte Richtung | +| Journal Entry | Ergebnis des Erfassungs-/Dialogprozesses, nicht zwingend direkte Eingabeform | bevorzugte Richtung | +| Erleben festhalten – konkretes Dialogverhalten | differenziertes Arbeitsmodell vorhanden | in Bearbeitung |